Zwei Stimmen für ein Ja zum Vaterschaftsurlaub: einmal grundsätzlich, einmal ganz persönlich

Grundsätzlich: Die Schweiz ist europaweit das einzige Land, das weder Vaterschafts- noch Elternurlaub kennt. Nun haben wir am 27. September die Chance, in Sachen gleichberechtigte Partnerschaften und Familienfreundlichkeit zumindest einen kleinen Schritt vorwärts zu machen. Die Zeiten haben sich geändert: heute wollen die Väter in aller Regel stärker in die erste prägende Phase mit dem Familienzuwachs miteinbezogen werden und für die Mutter ist es von unschätzbarem Wert, wenn sie in dieser anstrengenden Zeit entlastet wird. Von diesem frühen Aufbau einer Bindung zum Vater profitieren auch die Kinder.

Es ist ausserdem erwiesen, dass die Geburtenquote steigt, je besser die Rahmenbedingungen in Sachen Elternurlaub und Betreuungsmöglichkeiten sind, und mit der demografischen Entwicklung der Schweiz sind wir dringend auf Nachwuchs angewiesen. Mit einer moderaten Erhöhung der Erwerbsersatzabgabe um lediglich 0,05 Lohnprozente (d.h. 50 Rappen pro 1000 Franken Lohn) ist der Vaterschaftsurlaub finanziell ohne weiteres verkraftbar und eine lohnende Investition in die Zukunft. Die GFL sagt – zusammen mit zahlreichen anderen Parteien und Organisationen – überzeugt Ja zu dieser Vorlage.

Annette Tichy-Gränicher, Mitglied der GFL-Fraktion, 1. Vizepräsidentin des Grossen Gemeinderats (GGR), Mitglied der Gesundheits- und Sozialkommission – und Kandidatin auf den GFL-Listen (Nr. 3) für den Gemeinderat und den GGR

Persönlich: Wie war das nochmal? – Vor gut 14 Jahren, als ich mein erstes Kind gebar, hatte mein Mann einen Tag Urlaub. Ein Minimum, das heute noch für viele gilt. Der Freitag wurde am Tag der Geburt in Anspruch genommen. Somit blieb ich ein paar Tage im Spital mit dem Neugeborenen. – Wieviel das wohl gekostet hat? – Als das zweite Kind zur Welt kam, ging ich sofort wieder nach Hause. Aber ohne Unterstützung wäre dies unmöglich gewesen.

Wir sind eine gewöhnliche Familie. Mein Mann arbeitet 100%, hat Karriere gemacht und ist der «Ernährer». Ich habe nach der Geburt des ersten Kindes mein Arbeitspensum reduziert und nach dem zweiten Kind für sieben Jahre ganz aufgehört zu arbeiten. Vorgestellt habe ich mir das als junge Frau ganz anders. Schliesslich habe ich eine gute und teure Ausbildung genossen und dies nicht, um mich einzig um den Haushalt und die Kinder zu kümmern.

Die Realität war dann folgende: die externe Kinderbetreuung wurde zu teuer im Verhältnis zu meinem Lohn. Mein Mann verdiente schon immer mehr als ich, somit war es finanziell nicht attraktiv, dass er weniger arbeitet und seine Karrierechancen vernichtet.

Ja, wir wollen die Gleichstellung forcieren. Dazu ist es wichtig, dass die Väter von Anfang an Betreuungs- und Haushaltsaufgaben übernehmen können. Es ist ein Puzzlestein von vielen, aber vielleicht macht der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ja dem einen oder anderen frischgebackenen Papi die Kinderbetreuung schmackhaft?

Sabine Breitenstein, GFL-Vorstandsmitglied, Mitglied der Planungskommission und Kandidatin auf den GFL-Listen (Nr. 3) für den Gemeinderat und den Grossen Gemeinderat (GGR)

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