Kann uns Demokratie egal sein?

Kürzlich wurde eine Studie publiziert, die zum Schluss kam, dass «Demokratie» vielen Menschen zunehmend unwichtig erscheint, oder zumindest für ihren eigenen Alltag von geringer Relevanz. Wir leben in einer Weltgegend, in der die meisten von uns besser ausgebildet, wohlhabender und oft auch zufriedener sind, als dies in der Menschheitsgeschichte je zuvor irgendwo der Fall war.

Dürfen wir deshalb das gemeinsame Weiterentwickeln unserer Gesellschaftsordnung als «erledigt» abhaken? Haben wir uns dermassen viele Sicherheitsreserven erarbeitet, dass uns – egal was auch immer kommt – eigentlich nichts mehr passieren kann und wir nur noch unseren Wohlstand verwalten müssen? Wenn dem so ist, könnten wir uns tatsächlich überlegen, die Demokratie oder gleich die ganze Politik abzuschaffen. Ein paar gute Beamte führen unser Gemeinwesen vielleicht besser, als die oft als nervig und streitbar verschrienen Politiker/-innen?

Was aber, wenn es doch nicht so klar ist, ob die «guten Zeiten» einfach ewig weitergehen? Was, wenn die Verwalter unseres Wohlstandes schlussendlich einfach machen, was sie selbst für richtig halten, ohne dass dies noch jemand hinterfragen kann? Ist unser Gemeinwesen wirklich gerüstet für eine Welt, die immer komplexer und auch widersprüchlicher wird? Wer bei diesen Fragen nachdenklich wird, hat erkannt, welch mächtiges Steuerungsinstrument wir mit unserem demokratischen System haben.

Demokratie ist nichts anderes als permanentes Neuverhandeln und Nachjustieren unseres gesamtgesellschaftlichen Konsenses.  Je mehr Meinungen hier einfliessen können, desto besser passt das Ergebnis zu uns allen. Am 25. März 2018 bieten sich die Grossratskandidierenden als Ihre persönlichen Stimmenträger an. Entscheiden Sie, welche dieser Frauen und Männer Ihre Ansichten am besten vertreten. Danke, dass Sie zu unserer Demokratie beitragen!

Samuel Scherrer, Worblaufen. Architekt ETH und Regionalrichter, ehem. Co-Präsident GFL Zollikofen. Grossratskandidat der Grünen. Liste 7